
SLAYER
Hell Awaits (40th Anniversary
Edition)
Ich mag einer Minderheit
angehören, aber als ich das sehnsüchtig erwartete neue Album damals `85 gekauft
habe, war ich ein wenig enttäuscht. Ich fuhr voll auf das Debut „Show no Mercy“
ab (tue ich immer noch) und tat mich sowohl mit den Songs auf „Hell Awaits“ als
auch mit der Produktion schwer. Der Titelsong ist nach wie vor klasse, mit dem
Rest wurde ich erst im Laufe der Jahrzehnte so richtig warm, der Sound (Drums und
Vocals zu laut, Gitarren zu leise) tat sein übriges dazu. Dennoch keine Frage,
daß ich mich auf diese Jubiläumsausgabe gefreut habe; ich habe diese neue
Ausgabe mit dem Digipack-Remaster verglichen und man kann schon einen
deutlichen Unterschied feststellen. Kommt das Remaster höhenlastig daher, haben
wir es bei der neuen Ausgabe glücklicherweise mit einer Verbesserung zu tun;
die Tieftöne kommen satt und verstärken den Druck endlich da, wo es das
Original vermissen ließ und die Gitarren kommen einen Tick fetter und lauter
als Ergebnis. Songs wie „At Dawn they sleep“ oder „Crypts of Eternity“ machen
jetzt noch mehr Spaß und der mit dem Anfang vom Titelsong endende Rauswerfer
„Hardening of the Arteries“ haut richtig rein. Sehr schön!
Weniger schön wird´s dann bei den
beiden Bonus-CDs mit dem 85er Konzert aus Bochum (die Zeche dort war ebenso
Stamm-Anlaufstelle für alle geilen Bands damals wie die RoFa in LB, wo wir uns
ständig aufhielten). Die Songauswahl ist legendär, weil es halt auch nur alte Sachen
gab, von „Chemical Warfare“ und „Haunting the Chapel“ bis „The Final Command“,
„Show no Mercy“, „Black Magic“ und „The Antichrist“ ist alles vorhanden, was
das Herz eines Fans der ersten Stunde höher schlagen läßt. Aber Leute….die
Soundqualität hat Bootleg-Format und damit kann ich nur wenig anfangen. Hätte
man das nicht besser hinbekommen können? Wann immer eine der Gitarren ein
Anfangsriff spielt, ist´s okay, wenn dann aber die zweite Gitarre sowie die
Drums einsetzen, wird’s matschig und chaotisch. Bei „Live Undead“ hat man doch
gesehen, wie man ein geiles Live-Dokument machen kann, die 7 Songs dort ziehe
ich den insgesamt 18 der beiden hier vorhandenen CDs allemal vor. Hinzu kommt,
daß Tom Arayas Stimme bereits erste Ausfallerscheinungen zeigt und manchmal
schon arg gewöhnungsbedürftig schief rüberkommt.
Hätte ich dafür 70 oder 80 Euro
ausgegeben, würde ich mir wohin beißen. Ihr habt richtig gelesen, obwohl ich
die Box viele Wochen auf dem Einkaufszettel hatte, habe ich sie mir nicht
gekauft, weil ich die Preisgestaltung unverschämt finde – Preise weit jenseits
der 70,--€ bei allen relevanten Anbietern für 3 CDs und ein Booklet ist
schlicht ein Witz. Und wenn solch einer auf meine Kosten gehen soll, dann
strecke ich den Mittelfinger. Man muß auch als eingefleischter Fan nicht alles
mitmachen, was einem die Scheiß Plattenfirmen bzw Online Anbieter hinwerfen
(und mir ist das nicht leicht gefallen, glaubt´s mir…ich hätte das Booklet sehr
gerne gelesen und die ganzen Photos gesehen…).
So beschränkt sich diese Kritik
auf die Online bei youtube komplett hochgeladenen Scheiben, gehört sowohl über
JBL-Soundsystem im einen Auto als auch mit Sony Bluetooth Headphones zuhause
(Beats-Soundsystem im anderen Auto folgt noch, wird aber sicher keine anderen
Eindrücke vermitteln, denke ich).
Bleibt unter dem Strich eine
überteuerte Jubiläumsausgabe, bei der mich die auf Bootleg-Niveau befindlichen
Live-Aufnahmen sowie ein dickes Booklet erst dann in Versuchung führen, wenn
der Preis runtergehen sollte. Und falls nicht, dann bleibt es bei meiner
Enthaltung. Schade eigentlich…
Frank